Arno Holz

 

 

Ein offener Brief an Herrn Richard Fellner

[Die Dichtkunst der Jetztzeit]

 

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I.

 

Motto:

Wenn ich auf bemoostem Felsgrunde liege und auf das wonnige Spiel der zarten Goldfäden schaue, welche die Sonne durch die Zweige spinnt, wenn ich mich herzlich darüber freue, daß sich hoch oben die weißen Wolken haschen, dann – legen Sie die Hand auf's Herz! – können Sie doch nicht verlangen, daß ich Ihnen ein – Colloquium schreibe! –

(Rich. Fellner, Reise-Briefe I.)

 

Gansenstein, September 83.      

          Sehr geehrter Herr Redakteur!

Wie Sie aus dem Ortsvermerk oben neben dem Datum dieser Epistel ersehen können, weile ich noch immer in meinem masurischen Tusculum und hätte auch von hier aus so bald nichts von mir hören lassen, wenn nicht Ihre liebenswerte Briefkastennotiz der "K.-Z." mir jetzt, wenn ich so sagen darf, die Feder in die Hand drückte. Also: ich soll doch nicht so faul sein, verehrter Herr? Leicht gesagt für'n Sechser Käse! würde ich Ihnen hierauf erwidern, falls ich die Ehre hätte, ein Berliner Kind zu sein. Da dies aber keineswegs der Fall ist, darf ich auch leider Gottes von der allbekannten Universal-Unverfrorenheit der Herren Spree-Athener keinen Gebrauch machen und begnüge mich daher, nach Zöllnersitte, reuig an meine zerknirschte Brust zu schlagen und Ihnen das gräßliche Bekenntnis abzulegen: Ja, ich bin ein Faulenzer! Und zwar einer aus dem ff! Und was das Allerschlimmste ist, ich gedenke diese Untugend vor der Hand auch noch gar nicht abzulegen!! Nicht wahr, Sie schaudern, Verehrtester? Brav von Ihnen! Ein wenig Menschenfreundlichkeit und Mitgefühl läßt sich immer noch an den Mann bringen, selbst in einer Zeit, in welcher die Herren Dichter die altbeliebte Melodie: das Herz der Menschheit ward zum Stein! wieder in allen möglichen und unmöglichen Variationen in Dur und Moll, von a bis z abzuleiern belieben! –

Haben Sie sich übrigens schon jemals so recht in den Genuß einer schönen Stunde, eines vertraulichen Gesprächs, einer anregenden Lektüre, ja auch nur einer guten – Cigarre vertieft? Das heißt, so vertieft, daß der Lärm des Tages, der Hader der Parteien, das Knattern der Maschinen, der Schrei der sozialen Not, mit einem Worte: diese Zeit und ihre Welt, für Sie aufgehört hatte, zu existieren? Das dieses Scriptum zierende Motto, welches ich mir erlaubt habe, dem ersten Ihrer Reise-Briefe zu entnehmen, läßt es mir fast zur Gewißheit werden, daß Sie die Süßigkeit solcher Stunden bereits gekostet haben. Nun, dann werden Sie wenigstens meine "Faulheit", wenn auch nicht löblich, so doch begreiflich, oder, was dasselbe ist, verzeihlich finden, da ich Ihnen das Geständnis zu machen habe, daß ich gegenwärtig dermaßen in den Genuß einer goldenen Ferienzeit vertieft bin, daß es mir "partoutement" ganz "Schnuppe" ist, was Sie und Ihre gesamten verehrlichen Herren Kollegen beider Hemisphären über mein derzeitiges Waschbärentum denken und Gedachtes mir per Briefkasten, einem Wege, der nächstens auch schon zu den "nicht mehr ungewöhnlichen" zählen wird, an den Schädel werfen. Geniert mich nicht! Wie singt doch schon Altmeister Geibel, der Schwan von Lübeck?

"Fern von der Welt und ihren Sorgen
Im Schooß der Einsamkeit geborgen,
Genieß ich endlich frei von Zwang
Den langentbehrten Müßiggang.
Nun saugt mein Leib aus Luft und Sonne
Die Süße gold'ner Ferienwonne,
Indeß der Geist zu freiem Spiel
In's Blaue flattert ohne Ziel.
Doch träum' ich nicht von Ruhmeskränzen,
Von Sternen nicht, die täuschend glänzen,
Mich locken nicht mehr solche Höh'n,
Mir däucht nur noch das Nächste schön.
Ich hör' im Forst den Jäger blasen
Und sehe, wie die Rinder grasen,
Der Storch durch's Ried hochbeinig stelzt
Und schimmernd sich das Mühlrad wälzt.
Auch kommt mir bei der Wipfel Wogen
Bisweilen noch ein Reim geflogen,
Der, wie die Seele schweift und sinnt,
Zum Liede still sich weiter spinnt.
Doch nur für mich. – Im Marktgedränge,
Wer horcht noch auf die leisen Klänge?

Das anmutige Bild, welches diese leichtgeschürzten Verse, die Sie, Verehrtester, in den Spätherbstblättern nur wenig verändert wiederfinden werden, entrollen, giebt getreuer, als dies eine photographische Abnahme thun könnte, einen Begriff von meinem gegenwärtigen Leben, welches ich mehr ein Hinvegetieren nennen möchte. Und närrisch, wie ich nun einmal von unserer Allmutter Natur veranlagt bin, bilde ich mir sogar ein, daß ein Tag, den ich frisch, froh und frei in Wald und Flur verschwärme, mir mehr bekomme, als einer, den ich krumm über den Schreibtisch gebückt mit Artikel-Schreiben für die "K.-Z." hin- oder auch verbringe! Wunderbar, höchst wunderbar!! Wenn ich übrigens durch diesen meinen eigenen Brief bei Ihnen in den schändlichen Verdacht geraten sollte, ich wäre für diesmal meinem Faulheits-Prinzip (und warum sollte [39] es denn nicht auch ein solches geben?) doch für einige Stunden untreu geworden, so kann ich die "Niedermuskelung" dieser Zeilen schon genügend motivieren! Denn mit um so größerem Seufzer der Befriedigung ich bei Schluß dieses Briefes das übliche: Punktum! Streusand drauf! ausrufen werde, um so holder wird mir dann die goldene Ferienzeit lächeln, um so köstlicher ihr liebliches dolce-farniente mir munden! Sie sehen, auch ohne gerade Jurist zu sein, ist man um Gründe, sofern sie nur dazu dienen, das Thun und Lassen des eigenen lieben Ichs zu vertheidigen und in Schutz zu nehmen, nie verlegen. –

Doch um auf Ihren famosen Briefkasten zurückzukommen! Sie sagen zum Schluß Ihrer niedlichen Notiz: "Uebrigens, gottbeseelter poeta poetarum, bin ich äußerst gespannt auf Ihre Ansichten über die Kunst. Sag' dein Sprüchel und theil's uns mit!" – Ei, was Sie neugierig sind! Und glauben Sie denn überhaupt, seine Ansichten über die Kunst besitzen und seine Ansichten über die Kunst abgeben, sei Eins? Um letzteres thun zu können, müßte ich wenigstens, statt über den beschränkten Raum einer Zeitung, schon über den unbegrenzten Gedanken-Tummelplatz eines Buches verfügen können; und überdies steht auch nicht jedem Böotier das ästhetische Abhandlungs- resp. Niedermetzelungs-Talent eines (pardon!) Dr. Oskar Blumenthal vom "Berliner Tageblatt" zur Verfügung! Indeß, um Ihnen doch wenigstens meinen guten Willen zu beweisen, will ich mein Bestes versuchen und Ihnen, wenn auch nicht ein vierdimensionales Glaubensbekenntnis in Sachen "Kunst" ablegen, so doch einige Randglossen zu dem Thema "Die Dichtkunst der Jetztzeit" unterbreiten, denen, wenn sie die Feuerprobe Ihrer hochwohlweisen Kritik aushalten, Ehre genug angethan ist *)

Ich will nicht so boshaft sein und wie viele andere Leute die Behauptung aufstellen, der Ausdruck Dichtkunst <der> Jetztzeit sei eine contradictio in adjecto! Ich entsinne mich beispielsweise, daß einst, als ich vor Jahren noch die Bänke des Gymnasiums drückte, unser Lehrer in Deutsch, der jetzt als Professor der Philologie in Halle doziert, bei Erläuterung des Schiller'schen Wallensteins auf die Bemerkung eines meiner Mitschüler hin, der einen modernen, zeitgenössischen Dichter zitierte, mit der wegwerfendsten Miene von der Welt die meinem Gedächtnis seither nie entfallenen Worte sprach: "Dichter? Unsere Zeit hat keine Dichter mehr!" Sprachs und ließ die nächste Szene lesen! So unwahr nun auch, um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen, dieses Wort jedem urteilsfähigen Menschen erscheinen mag, der sich Namen wie Geibel, Heyse, Schack, Lingg, <Freytag>, Wolff, Hamerling u.a.m. (von den Ausländern, als da sind Viktor Hugo, <Tennyson>, Turgeniew (†) u.s.w. ganz zu geschweigen, denn auf diese kann ich mich Raummangels halber hier nicht einlassen), in's Gedächtnis ruft: eine gewisse, wenn allerdings auch sehr relative Berechtigung, es auszusprechen, darf ein billig Denkender einem Manne, der sich Zeit seines Lebens nur mit den sogenannten Klassikern und deren Werken beschäftigt hat, keineswegs absprechen. Denn die Dichtkunst unserer Tage ist eine wesentlich reproduktive und tritt als solche die Bahnen, welche der produktive Klassizismus, und zwar – was sehr bemerkenswert ist – nicht nur der des vorigen Jahrhunderts allein, dem dichterischen Talent erschlossen hat, breit; so breit, daß heut auch der Minderbegabte "in einer Sprache, welche für ihn dichtet und denkt" ein gewisses <poetisches> Etwas zu Stande zu bringen vermag; woher es denn auch kommt, daß – Gott sei's geklagt – der schon polizeiwidrige Dimensionen annehmende Dilettantismus nie üppiger in's Kraut geschossen ist, als grade in unseren Tagen! Namentlich sind gewisse Kapitel unserer Poetik geradezu brigantenmäßig ausgeplündert worden. Ich erinnere hier nur, um ein Beispiel für zehn zu geben, an die weil. Gashelenfabrikation deutsch sein wollender Poeten en masse! Kaum hatte es sich als Chorführer der bereits alternde Goethe auf seinem westöstlichen Divan einigermaßen bequem gemacht, als auch schon Rückert, bekleidet mit dem bekannten grünseidenen Turban des Propheten (bei allen diesen westöstlichen Dichtern eigentlich eine conditio sine qua non) seine östlichen Rosen pflückte, Platen nach Schiras pilgerte, bei welcher Gelegenheit seinen Frackschößen die Pergamentsrolle mit den Abenteuern der Abbassiden entrutschte, um aus den dortigen Gartenhainen Orangen zu stehlen, <und> nach diesen Evolutionen, wie Immermann meinte, alles andre, nur keine deutschen Gedichte zu "vomieren", als, sage ich weiter, Leopold <Schefer> seinen "Koran der Liebe" schrieb, Daumer seinen Hafis übersetzte und immer mehr und mehr bekannte und unbekannte Dichter und Dichterinnen (!!!) auf den muselmännischen Leim gingen und sich in dem kindischen Aufputz eines orientalischen Flitterphrasentums so wohl fühlten, daß sie unsere deutsche Nachtigall auf gut persisch immer nur <Bülbül> schimpften – bis endlich in unseren Tagen Bodenstedt mit seinen "Liedern des Mirza Schaffy" in der Gunst des Publikums den Vogel abschoß und leider, leider immer noch nicht der Letzte der Mohikaner geworden ist! Noch heute spuken die totgeborenen Kinder seiner Epigonen, welche sich in seine tscherkessische Muse verliebt haben, in den verschiedentlichen "Blumen und Blättern", "Blüten und Perlen", "Thränen und Sternen" und wie dergleichen Antologiengezücht, dieser Sargnagel aller individuell aufstrebenden Poesie, welche sich von dem herkömmlichen "Mittelgut" emanzipieren will, sonst noch betitelt sein mögen, wie Gespenster, die an die Vergänglichkeit alles Irdischen gemahnen, herum!

Und doch, wie viel des Schönen und Schönsten brachten uns alles in allem genommen die letzten Jahrzehnte! Und auch heute noch geht kaum eine Büchermesse in's Land, ohne uns wenigstens ein gutes Buch auf den Weihnachtstisch zu legen! Allein dergleichen Sachen werden nur von der winzig kleinen Republik der wirklich "schönen" Geister gewürdigt und bleiben ewig Caviar für das Volk! Und doch ist es eine von der Litteraturgeschichte aller Zeiten bezeugte Thatsache, daß wahrhafte Klassizität eines Kunstwerkes der Popularität desselben durchaus keinen Eintrag thut. Doch angenommen, man weigert sich, unserer Zeit ein wahrhaft klassisches Werk zuzuerkennen, indem man beispielsweise steif und fest behauptet, den Freytag'schen Ahnen fehle nichts, als gerade jenes bekannte Tüpferl auf dem I, welches eben die Klassizität eines Kunstwerks ausmacht. Auch gut! Sind sie aber und Linggs "Völkerwanderung", Hamerlings "Ahasver in Rom", Schacks "Die vier Weltalter", ja selbst Scheffels "Ekkehard", alles Werke, die unsere Zeit geschaffen, nicht weitaus bedeutendere Kunstwerke, als etwa Klopstocks "Messias", Goethes "Götz von Berlichingen" und Schillers "Räuber"? Und doch hat [40] keiner der zeitgenössischen Dichter einen so tiefen und nachhaltigen Eindruck auf sein Volk gemacht, als vor länger als hundert Jahren jene Dichter mit jenen Werken; denn Ebers' mit pariser poudre de ris dick übertünchte "Uarda", oder Bodenstedts bereits angeführte reimklingende Thorenweisheit, "Mirza Schaffy" genannt, und ähnliche ungeratene Kinder, welche einheimische Dichter mit fremdländischen Musen in unästhetischem Ehebruch gezeugt, sind ihrer Zeit wohl "Mode" gewesen und sind es ja zum Teil auch noch; schlechteres läßt sich ihnen aber auch beim besten Willen nicht nachsagen, trotzdem man ihre goldüberdeckten Prachteinbände noch heute auf dem dreibeinigen Tischchen jedes auch nur halbwegs "fashionablen" Salons bewundern kann! Gewiß aber ist die trotzdem gegenwärtig in höchstem Grade vorhandene <Gleichgültigkeit> des großen Publikums gegen alles, was "Dichtkunst" heißt – zumal wenn man davon überzeugt ist, daß auch unserer Zeit die Dichter von Gottes und nicht nur von Publikums Gnaden nicht versagt sind – außerordentlich merkwürdig! Suchen wir also die Motive derselben aufzufinden, und wir werden vielleicht den Weg ausfindig machen, den unsere Poeten fortab einschlagen müssen, sofern sie sich ihr praktisches Ideal, nämlich die Liebe und Bewunderung ihres Volkes wieder erringen wollen!

 

II.

[48] Um die bewegenden Momente ausfindig zu machen, welche die sich fast bis zur Abneigung steigernde Teilnahmslosigkeit unserer Zeit gegen ihre Dichter und deren Produktionen veranlaßt haben, sind schon erklecklich viele "Häupter in Hieroglyphenmützen" auf den Kriegspfad des Nachdenkens verschlagen worden, doch will es mir scheinen, als ob das Gros dieser Herren die Spürnasen auf einer falschen Fährte spazieren geführt hätte. Denn, wird einmal dieses Thema von Zeit zu Zeit in Büchern, Broschüren oder Zeitungsartikeln angeregt – immer ein Zeichen, daß die so zu sagen "moralische" Sauregurke der Gesellschaft ihren Siedepunkt erreicht hat – dann schieben die resp. Herren Bücher-, Broschüren- oder Zeitungsschreiber die Schuld für jene Gleichgültigkeit des Publikums ganz einfach dem vielgeschmähten Realismus unserer Zeit in die Schuhe, und das betreffende gleichgültige Publikum hat dann natürlich nichts eiligeres zu thun, als diese ziemlich durchsichtige Phrase nach Art gewisser Säugethiere gedankenlos wiederzukäuen, und wenn es ausnahmsweise einmal ein bischen Sehnsucht nach einer wahrhaft zeitgemäßen Dichtkunst höheren Stils empfindet, entrüstet den Realismus dieser Zeit zu verlästern, ohne auch nur im Mindesten zu bedenken, daß gerade jetzt, in dem Jahrhundert der Eisenbahnen, Telegraphen und Schnellpressen, dieser Realismus ihm nötiger ist, als das liebe Brod!

Der Realismus einer Zeit ist nie und nirgends daran Schuld gewesen, daß ihre Dichtkunst verfiel, oder daß sie einer solchen überhaupt nicht fähig war! Wer mit sehenden Augen und hörenden Ohren die kulturgeschichtliche Entwickelung des menschlichen Geschlechtes von jener Zeit ab, in welcher die orphischen Urmelodien die Eichenwälder von Alt-Hellas mystisch durchrauschten, bis auf die heutigen Tage herab, welche uns die Poesie nur noch im zierlichen Goldschnittgewande präsentieren, an sich vorüberziehen läßt und dann jenen Satz doch nicht glauben will, stellt sich eben nur selbst ein Testimonium aus. Das Jahrhundert, in welchem Aeschylos, Sophokles und Euripides, diese heilige Dreieinigkeit der griechischen Poesie, ihre unsterblichen Tragödien dichteten, war keineswegs so idealistisch angehaucht, wie uns dies Geschichtsbücher in usum delphini wohl gerne weiß machen möchten; und gar das sobenannte goldene Zeitalter der römischen Litteratur war so wenig zartnervig organisiert, daß selbst die handfertigsten Geschichtsfälscher sich sehr wohl gehütet haben, uns auch in diesem Falle ein X für ein U machen zu wollen. Diese Hindeutung auf den Realismus jener Zeiten, in welche die beiden Glanzperioden antiker Poesie fallen, mag hier genügen, um die Thatsächlichkeit meines Satzes zu beweisen; denn daß es auch zur Zeit eines Dante, Wolframs, Eschenbach, Cervantes und Shakespeares mit dem Idealismus des Volkes nicht zum Besten bestellt war, weiß heutzutage schon jeder Quintaner.

Also den "bösen" Realismus unserer Zeit dürfen wir nicht anklagen, wenn wir ihre Stiefmütterlichkeit gegen die Poesie bejammern! Drehen wir mithin einmal den Spieß um und beschuldigen die Poesie, selbst ihr Unglück verschuldet zu haben. Da es aber immer etwas gegen sich hat, wenn man nebelhafte Abstrakta vor den Stuhl des Richters zitiert, so halten wir uns lieber an die faßbaren Konkreta und sehen einmal unsern zeitgenössischen Dichtern ein wenig auf die Finger!

Daß wir deren überhaupt noch welche besitzen und der gelegentlich von mir erwähnte Schulmann mit seinem Skeptizismus bitter Unrecht gehabt hat, glaube ich durch die bloße Nennung einiger Namen von berühmten Zeitgenossen bereits erwiesen zu haben. Eine Dichtkunst, eine wahre und wahrhaftige Dichtkunst, die ihr Dasein unserer Zeit verdankt, besitzen wir also; ein Vorzug, dessen sich, abgesehen von den anerkannt klassischen Epochen der Geschichte des menschlichen Geistes, nur sehr wenige Zeitabschnitte rühmen können. Woher also, frage ich nochmals, kommt es, daß es dieser Dichtkunst nicht gelingt, die Anteilnahme ihrer Zeit für sich rege zu machen? Weil sie es gar noch nie versucht hat!

Statt als Echo ihrer Zeit uns, deren Söhnen, das Herz zu schnelleren Schlägen zu begeistern, die Kämpfer zu ermutigen, die Zweifler zu trösten, die Wankenden aufzurichten und allzeit voran das Banner des Ewigen im Kampf des Endlichen hochzuhalten, wühlt sie, taub für die weltbewegenden Fragen der Zeit, in den wurmzerfressenen Scharteken einer längst abgethanen [49] Romantik nach halbverschollenen Kinder- und Ammenmärchen herum und glaubt Wunder was verrichtet zu haben, wenn sie eine wohlgereimte und wohlgemeinte Aventiure vorväterlichen Angedenkens nach allen Regeln der Frau Poetika fein säuberlich zusammengeschweißt hat! Statt dem bunten Leben und Treiben unserer Tage, diesem ewig wechselnden Riesenteleskop, strotzend von Humor und Tragik, den Spiegel der Wahrheit vorzuhalten, schaudert sie vor dem "tötenden Pesthauch der trivialen Wirklichkeit der Dinge" zurück und flüchtet sich, verständnißlos für die erschütternden Kontraste der heutigen sozialen Verhältnisse, in die guten alten Zeiten zurück, als Odhin noch in Wallhall auf goldenem Hochsitze inmitten seiner methdurstigen Recken thronte, und der bärenfellbehangene Sohn Teuts, zufrieden mit seiner Keule und dem, was ihm diese einbrachte, in seiner waldumrauschten Höhlenwohnung unbewußt, wie heute die Philosophie Hartmanns, den Grundsätzen eines griechischen Diogenes huldigte, ohne jemals in seinem stillvergnügten Leben den unpoetischen Ärger ausgestanden zu haben, den heutigen Tages ein von der Kultur beleckter Germane zweifelsohne empfinden muß, wenn er, ein schon bezahltes Retourbillet für die Route Berlin-Rügen in der Hand, das dampfschnaubende Ungetüm "Zug" sich vor der Nase auf- und davonfahren sieht! Statt über Deutschlands neuerwachten Gefilden als jubelnde Frühlingslerche dem auferstandenen Reiche ihren Segen zu geben und seine Thaten, die wahrlich nicht geringwertiger sind als die glorreichsten des alten, in ewigen Liedern zu verherrlichen, wandelt sie, unbekümmert um den Donner der Geschichte, der auf die Tage von Jena und Auerstädt die Tage von Königgrätz und Sedan folgen ließ, sinnenden Hauptes unter den Obelisken und Pyramiden Alt-Egyptens umher und träumt sich, fern von den rebenumgürteten Ufern des "Vaters" Rhein an den schilfigen Gestaden des ebenfalls "Vaters" Nil in die grauen Zeiten eines Rhampsinit oder sonst eines für uns und unser Interesse schon mehrere Jahrtausende mausetoten Mumienkönigs zurück. Statt vaterländischen Sinn und vaterländische Sitte hoch zu halten und das Leitmotiv des deutschesten aller deutschen Lieder, des herrlichen "Deutschland, Deutschland über Alles, über Alles in der Welt", als heilige Losung durch die Reihen ihrer priesterlichen Sänger von Mund zu Mund, von Herz zu Herz gehen zu lassen, verhöhnt sie die sobenamste "altfränkische Ehrbarkeit" und begiebt sich, die Heiligkeit der Familienbande in den Staub tretend, in den Dienst der neufränkischen Aftermuse, um die deutsche Schaubühne mit nichtswürdigen Demimonde-Kitzeleien zu überschwemmen. Statt wie ein Leuchtturm den durch das Meer der Zeit Segelnden in Wind und Wetter den rettenden Hafen zu weisen, lockt sie, einem Irrlicht vergleichbar, den nach realer Wahrheit Ringenden in den Sumpf falscher Ideale. Statt zu den Errungenschaften unseres Jahrhunderts freudig Ja zu sagen, beharrt sie, den Blick in eine dunkle Vergangenheit gerichtet, hartnäckig bei ihrem Nein! Statt . . . . doch wozu soll ich mich hier in Gegensätzen erschöpfen! Die Zeit ist auch heute noch immer die alte Sphinx, die sie schon zur Zeit des Theseus gewesen; nur daß heutzutage ihre Rätsel noch unendlich schwieriger zu lösen sind, als dies in den Tagen des Gründers von Athen der Fall war! Und eben darin liegt das Verhängnis unserer zeitgenössischen Dichtkunst: sie hat die Rätsel, welche ihr die Zeit aufgegeben, nicht zu lösen gewußt und ist deswegen in jenen Abgrund gestoßen worden, welchem alles anheimfällt, was der Welt kein Interesse für sich abzugewinnen im Stande ist.

Ich habe erst gesagt: Suchen wir die Motive aufzufinden, welche die Gleichgültigkeit unserer Zeitgenossen gegen ihre Dichter veranlaßt, und wir werden vielleicht den Weg ausfindig machen, den unsere Poeten fortab einschlagen müssen, falls ihnen daran gelegen ist, wieder die Liebe und Bewunderung ihres Volkes zu erringen. Ich glaube mit Klarlegung jener Motive ist auch zugleich dieser Weg von mir bereits angedeutet worden, allerdings nur dunkel, und will ich daher noch meine Ansichten über das "Wie" der zu erhoffenden Regeneration unserer Dichtkunst hier zum Ausdruck bringen.

Da wird es denn wohl Jedermann Wunder nehmen, daß ich meine Hoffnung nicht auf das Drama setze (das Epos kommt hierbei wohl kaum in Betracht), sondern auf die Lyrik. Ja, auf die Lyrik, deren baldigen Untergang resp. Übergang in Drama und Epos schon der eine oder der andere Ästhetiker prophezeit. Aber man weiß ja, was es mit den Prophezeihungen der Herren Litteraturverständigen auf sich hat. Kaum hat einer dieser papiernen Dalai Lamas in kritischen Zeiten die und die Katastrophe in seiner Allwissenheit bis auf die kleinsten Details vorausgesagt, als auch schon das immer als deus ex machina erscheinende Genie auf die Szene tritt und zum nicht geringen Entsetzen des Herrn p.p. Dalai Lama dessen Prophezeihungen in der Weise erfüllt, daß es just immer ihr Gegenteil zu Tage fördert. Und so wird es auch meiner Überzeugung nach sich bald in der Affaire Lyrik contra Drama und Epos ereignen.

Warum? Das Epos, um vorderhand dieses abzuthun, hat als solches heute gar keine Gültigkeit mehr. Denn sein entarteter Sprößling, der Roman, das sogenannte moderne Epos, kann als eigentliche Kunstform nicht anerkannt werden, und Schiller hat durchaus Recht, wenn er den Romanschreiber den Stiefbruder des Dichters nennt, trotzdem die glänzenden Eigenschaften eines wirklich guten Romans durchaus nicht in Frage kommen sollen. Neben dem Roman tischen sich auch noch Dichtwerke wie Kinkels "Otto der Schütz" und Wolff's "Tannhäuser" als Epen auf, doch sind diese besten Falls entweder wie ersterer, stark lyrisch gefärbte poetische Erzählungen, oder, wie letzterer, Romane in Versen. Diese Erörterung soll jedoch keineswegs einen Vorwurf gegen unsere "epischen" Dichter enthalten; denn unserer Zeit fehlen eben erwiesenermaßen die Vorbedingungen zur Hervorbringung eines wahren Epos, wie uns dessen Ideal von Homer überwiesen worden. Mithin wird man mir beistimmen müssen, wenn ich das Heil für unsere Dichtkunst in spe nicht vom Epos erwarte.

Anders verhält es sich mit dem Drama. Die idealen Bedingungen zu einem solchen fehlen unserer Zeit keineswegs, ja man wird sich durchaus keine Übertreibung zu Schulden kommen lassen, wenn man sie gerade ihr in besonders hohem Grade zuerkennt. Allein neben den idealen Bedingungen, ohne welche das Drama nicht existieren kann, knüpft sich sein Sein oder Nichtsein auch noch an eminent reale, und diese letzteren gerade fehlen unserer Zeit ganz und gar! Man sehe sich doch nur einmal kalten Blutes die Bühnenverhältnisse, nicht etwa nur wie sie sich heute in den kleineren, sondern auch in den größeren und größten Städten gestaltet haben, an und frage sich dann ernsthaft, ob in diesem Boden die goldene Saat der Poesie, und streute sie auch ein neuer Shakespeare aus, aufgehen, wachsen, blühen und Frucht tragen könne? Nein, nein und noch einmal nein! wird uns eine reifliche Überlegung zur Antwort geben, und wer ihr nicht glauben will, ist ein blinder Schwärmer und Phantast, der die Dinge anders sieht, als sie eben sind! Eine Primadonna, die sich jeden ihrer Triller mit 1000 Mark bezahlen läßt, eine desgleichen masculini generis, die Jahr für Jahr 365 Gastspielreisen durch die alte und neue Welt macht; ein Theaterdirektor, der, um das immer drohender werdende Defizit seiner Kasse zu decken, dem Publikum jede, der Kunst keine Konzession macht, ein [50] Kritiker, der alles andere vorstellt, nur nicht das, wofür er sich ausgiebt: alle diese – und man könnte diese noble Galerie cum gracie in infinitum fortsetzen – alle diese sind Charaktere, die uns in den dramatischen Regionen heutzutage in mehr oder minder vorzüglicher Qualität immer wieder begegnen und zwar nicht als Ausnahmen, sondern als Regel. Ist es denn da ein Wunder, wenn Melpomene trauernd ihr edles Haupt verhüllt? Überhaupt sind die realen Bedingungen, welche eine Blütezeit des Dramas, und sei diese eine auch noch so kurze, zur Voraussetzung hat, so komplizierte, daß ihr Mechanismus nur höchst selten stimmen will. Mit Rücksicht eben hierauf und im Hinblick auf die Ungunst der Zeit, in der wir leben, wird man mir, wenn gewiß auch mit einigem Widerstreben, zugeben müssen, daß für die Regeneration unserer Dichtkunst auch vom Drama kaum etwas zu erhoffen steht. Bleibt also nur noch die Lyrik übrig, die vielgeschmähte Lyrik, zu deren Anwalt ich mich in diesem Schriftstücke aufwerfe.

 

III.

[57] Wie ganz anders lauten im Banne der Lyrik die Faktoren, mit welchen der Dichter zu rechnen hat, um sein Kunstwerk so zu gestalten, daß es den Kampf mit seiner Zeit siegreich und mit Ehren besteht! Goldsüchtige Theaterdirektoren, unzureichende schauspielerische Kräfte, mißlungene Dekorationen, schönes Wetter (!), und wie die tausenderlei Dinge heißen mögen, die dem Dramatiker die Hölle heiß machen können, existieren für den Lyriker nicht. Für ihn giebt es nur zwei Faktoren, welchen er seine Erzeugnisse anpassen muß, nämlich Kopf und Herz des Menschen und zwar des absoluten Normalmenschen, und nicht etwa jenes, der jedes Jahrzehnt chamäleonartig seine Farbe wechselt. – Ich habe die beiden erfolgbestimmenden Faktoren der Lyrik Kopf und Herz des Menschen genannt, wer sie Verstand und Gemüt oder Gedanken und Gefühl nennen will, mag's meinethalben thun. Der Name ändert an der Sache nichts. Doch auch ein zweites wichtiges Moment hat die Lyrik dem Drama voraus, welches in unserem "realistischen" Zeitalter keineswegs gering angeschlagen werden darf: den Genuß des lyrischen Kunstwerkes kann sich der wenig bemittelte Bruchteil unseres Volkes – bekanntlich ein Bruchteil, dem nur ein Winziges fehlt, um ein Ganzes zu bilden! – tagtäglich verschaffen, während der Besuch einer Schaubühne den meisten Sterblichen, wenn es hoch kommt, jahrüber nur einige Male vergönnt ist. Man wird mir auf Grund dieser Betrachtungen das Zugeständnis nicht versagen können, daß die Lyrik unter den drei großen Gattungen der Dichtkunst das, wenn ich so sagen darf, zäheste Leben besitzt und ganz dazu das Zeug hat, in einer Zeit, welche das Feld der Dramatik brach gelegt hat, falls sie sich, wohlverstanden, einen besonders kräftigen Aufschwung zu geben im Stande ist, das für Poesie schon längst abgestorbene Interesse des Volkes wieder neu zu beleben und die Vorläuferin und die Wegbahnerin einer neuen Blütezeit der Kunst Appollos zu werden, in der dann später, getragen von dem Enthusiasmus der Menge, das Drama die seiner Entfaltung so lange hinderlich gewesenen Schranken brechen und die seinem Range gebührende Stellung einnehmen kann.

Wollen wir nun aus diesen theoretischen Belehrungen praktischen Nutzen ziehen, und werfen wir einen kritischen Blick auf die Lyrik unserer Zeit, so machen wir leider die Bemerkung, daß von jenem "besonders kräftigen Aufschwung" noch nichts zu spüren ist. In alten, ausgefahrenen Geleisen sich bewegend hat die Lyrik sich noch kein besonderes Ziel gesteckt, allein welch eine Fülle von hohen und herrlichen Gefühlen und Gedanken, gekleidet in Formen, wie sie tadelloser kein griechisches Bildwerk aufzuweisen hat, begegnen uns beispielsweise in den Gedichten eines Emanuel Geibel? Und daß er nicht vereinzelt dasteht auf unserem zeitgenössischen Parnaß, wenn allerdings auch um ein Bedeutendes erhöht über seinen Brüdern in Apoll, lehren uns die lyrischen Bekenntnisse von Männern, wie Hermann Lingg, Paul Heyse, Robert Hamerling, Adolf Friedrich von Schack, Albert Meißner, Emil Rittershaus und Albert Möser, von denen namentlich der Letzte von seinem Volke noch lange nicht genügend geschätzt wird. Fürwahr, diese Männer haben jenes Ackerland, das ein Goethe mit klingendem Pfluge als princeps omnium durchfurcht, und in dessen also aufgeworfene Furchen dann seine Epigonen, oder besser gesagt Erben, als deren Erlauchteste sind: Uhland, Rückert, Lenau und Heine, ihre zukunftsreichen Saaten warfen, nicht verwildern lassen; und wenn auch die Früchte, die sie auf ihm gezeitigt, noch nicht jenen sagenhaften Lotosblumen gleichen, deren Genuß all' die krankhafte und doch so göttliche Sehnsucht des Menschen nach einem ungekannten, kaum geahnten Etwas, stillen und in Zufriedenheit mit sich und seiner Lage verwandeln soll: das kommende Geschlecht, welches auf ihren Schultern steht, wird die Bedeutung dieser Männer nicht verkennen.

Daß jedoch diese Lyrik, trotz ihrer hohen Bedeutsamkeit auf die geistige Physiognomie der Gegenwart keinerlei Einfluß ausübt, ist auf die Kardinal-Untugend unserer zeitgenössischen Poesie überhaupt zurückzuführen, nämlich darauf, daß sie sich um die Zeit, welcher sie ihre Existenz verdankt, so wenig kümmert, daß die weitaus meisten ihrer Produktionen ein derartiges Gepräge zeigen, daß sie ebensogut, wie sie heute das Licht der Welt erblickt haben, dasselbe auch schon vor 500 Jahren gethan haben könnten, vorausgesetzt natürlich, daß dazumal die deutsche Sprache nicht minder entwickelt gewesen wäre, als sie es heute ist. Von den tausendfachen Errungenschaften der Neuzeit schweigt sie, höchstens, daß sie sich dann und wann beklagt, daß das feuerschnaubende Untier von Dampfroß die süße Einsamkeit der Wälder entweihe. Das soziale Elend existiert für sie überhaupt nicht. Von der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches lallt sie nur manchmal wie im Traum und von dem immer verzweifelter werdenden Ringen des alten Idealismus mit dem neuen Materialismus will sie erst garnichts wissen. Und doch! Und doch! Gebt ihr einen festen Punkt im unermeßlichen Äther der "Ideologie", gebt ihr ein Ziel und sie hebt eine Welt aus ihren Angeln.

Dieses Ziel wäre, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, die Schaffung einer, wenn ich mich so recht ausdrücke, sozialen Lyrik. Nun fällt aber dem ferner Stehenden nichts leichter, als Bezeichnungen, welche wie hier die einer "sozialpolitischen Lyrik", zum ersten Male auf der Bildfläche erscheinen, mißzuverstehen und anders zu deuten, als es in der Absicht ihres Urhebers lag. Da jedoch auch nichts schwieriger ist, als die Definition eines Begriffes, dessen Urbild erst geschaffen werden soll, so muß ich mich hier leider mit einigen Andeutungen, welche den Begriff sozialpolitische Lyrik erläutern möchten, begnügen und das Uebrige dem Scharfsinn und der Phantasie meines Lesers überlassen.

[58] Bisher wußte oder weiß vielmehr die Litteraturgeschichte nur von einer politischen Lyrik zu berichten, einer Gattung der Lyrik, welche, so paradox dies auch klingen mag, fast so alt ist, als diese selbst.

Oft ist sie auch von der sogenannten patriotischen kaum zu unterscheiden. Wie es denn beispielsweise seine Schwierigkeiten haben dürfte, die Kriegslieder eines Tyrtäos entweder auf das Konto der patriotischen oder auf das der politischen Lyrik zu setzen. Ja, ich möchte fast behaupten, diese weniger Zweideutig- als Zweiseitigkeit derartiger lyrischer Produkte ist das sicherste Merkmal, daß man es in den betreffenden Fällen mit wirklich politischen Dichtungen zu thun habe. Denn kann, frage ich, ein wahrhafter Dichter sich zum Herold einer Partei hergeben, deren Ziele unpatriotische sind? So oft nun im Laufe der Jahrhunderte diese politische Lyrik die Szene betrat, und von dieser herab in feurigen Zungen von den Rechten und Freiheiten des Volkes predigte, wurde sie urplötzlich zur Heldin des Tages. Jedes Ohr lauschte ihren berauschenden Klängen, jedes Herz flog ihr zu. Um die Thatsächlichkeit dieser Behauptung zu begründen, verweise ich hier nur auf ihr letztes Auftreten um die Mitte dieses Jahrhunderts. Welch einen großartigen und nachhaltigen Enthusiasmus riefen nicht um diese Zeit die Lieder der "eisernen Lerche", genannt Georg Herwegh, in ganz Deutschland, in Nord und Süd, in Ost und West, hervor? Welch ein nicht endenwollender Jubel begrüßte nicht in diesen Tagen den nach den "berühmten Mustern" der mittelalterlichen "Fahrenden" frei wie ein Vogel, wenn auch nicht gerade vogelfrei im Lande umhervagierenden Ex-Professor Hofmann von Fallersleben, der, seiner "unpolitischen Lieder" wegen seines Amtes entsetzt, für den Verlust der Höchsten und Allerhöchsten Huld in der Liebe seines deutschen Volkes Ersatz suchte und diese auch im reichsten Maße fand, allerwegen, so oft er, sei es am blank gescheuerten Eichentisch in einfacher Dorfschenke, sei es an champagnerbesetzter Bankettafel im parquettierten Salon, nach meist von ihm selbst erfundenen Weisen seine packenden Lieder zum Vortrag brachte, so daß die Jugend ihrer Thatkraft bewußt wurde und das Alter sich wieder jung fühlte? Wie blitzartig zündeten nicht damals in allen Gauen unseres großen Vaterlandes die in ihrer Art einzig dastehenden Hymnen eines Ferdinand Freiligrath und schürten das heilige Feuer der Begeisterung allenthalben in allen Herzen?! – Ein Dichter, der in jenen Tagen sein Ohr dem Donner der Zeit verschloß und seine Ideale nur in dem mehr oder minder selbstgefälligen Nebelheim seiner eigenen Phantasie suchen ging, war gar kein Dichter; und wäre schon damals der noch zu erhoffende poetische Messias, das dichterische Genie par excellence, entstanden, welches nicht nur den Herzschlag seiner Zeit, sondern auch den der Zeit überhaupt zu deuten gewußt hätte: jene neue Blütezeit deutscher Poesie und der Poesie überhaupt, deren Keim in dem Schoße der modernen Lyrik unzweifelhaft ruht, würde sich heute bereits in ihrem vollsten Glanze entfaltet haben. Doch mit dem Wörtchen "Wenn" darf man niemals nach rückwärts rechnen! Das Genie blieb aus und das poetische Produkt jener Zeit blieb, was es war, nämlich eine politische Lyrik! Und als solche teilte sie denn auch sehr bald das Loos einer solchen: Mit Anbruch einer neuen Zeitrichtung war sie vergessen, vergessen trotz der ungeheuren Erfolge, welche sie "bei Lebzeiten" errungen. Aus all diesem erhellt, daß die politische Lyrik sich nur unter ganz besonderen Umständen und auch dann nur auf verhältnismäßig sehr kurze Zeit die Existenzberechtigung erwerben kann, und mithin diese nur eine sehr relative sei, wie dies ja auch von fast allen Ästhetikern hervorgehoben wird. Eine dauernde Existenzberechtigung jedoch würde sie sich ohne jede Frage erwerben, falls sie sich statt ihres endlichen Zieles, welches in der jeweiligen Wohlfahrt der und der Partei gipfelt, sich ein ewiges setzen wollte, welches die Wohlfahrt des ganzen Volkes und, weiter gegriffen, der ganzen Menschheit im Auge hat. Dann müßte sie allerdings nicht nur ihre Zeit, sondern wie oben bereits angedeutet, die Zeit überhaupt verstehen und würde dann endlich, alles in allem genommen, sich so in ihrem Aussehen verändert haben, daß die Benennung "politische" Lyrik nicht mehr auf sie recht anwendbar und die Bezeichnung "soziale" Lyrik für sie vielleicht ganz zutreffend wäre.

Diese soziale Lyrik würde alle Vorzüge der politischen besitzen ohne jedoch mit deren Nachteilen behaftet zu sein. Sie würde nicht urplötzlich wie jene meteorartig aufblitzen und dann wieder ebenso urplötzlich verlöschen, sondern ewig leuchtend wie das Licht der Sonne von Zeit auf Zeit, von Geschlecht auf Geschlecht vererbt werden, ohne in der Unmittelbarkeit ihrer Wirkung eine Einbuße zu erleiden. Sie würde auf jede wahrhaft große und bedeutsame Frage ihrer Zeit eine Antwort geben, ohne sich mit den kleinlichen Einzelfragen eines Sonder-Interesses abzugeben und auf diese Weise, wie ihre politische Schwester, unwiderruflich das Interesse der Nachwelt zu verlieren. Sie würde nicht wie diese nur Herold ihrer Zeit in Haupt- und Staatsaktionen werden, sondern als ihr Echo überhaupt alles, was in ihr lebt und webt, jauchzt und stöhnt, lacht und weint, sinnt und fühlt, liebt und haßt, mit einem Worte, die Zeit selbst, in dichterische Gebilde krystallisiert dem steten Interesse einer dankbaren Nachwelt überliefern.

Wann die Stunde schlagen wird, die uns mit den Erstlingen dieser Lyrik beschenkt, wer weiß es zu sagen?! Ahnt die Welt heute doch kaum, daß ihr eine solche bevorsteht, und sehe ich doch schon, wie mancher, der diese Zeilen lesen wird, über ihren "originellen Blödsinn, dem eine gewisse Methode allerdings nicht abzusprechen ist", seine Achseln zuckt! Allein was thut's? Ich tröste mich aber damit, daß jedes Tierchen sein Pläsierchen hat, und bin obendrein noch kreuzvergnügt, daß ich mit diesem meinem "originellen Blödsinn" endlich das hungrige Colloquium der "K.-Ztg." für einige Zeit mit Druckfutter versorgt habe und stürze mich wieder "fern von der Welt und ihrer Plage" in das süße Nichtsthun der goldenen Ferienzeit, die Gott sei's geklagt, schon so bald wieder "alle" sein wird!

Bis dahin jedoch nehmen Sie, verehrter Herr Colloquiumsschriftleiter, mit der üblichen Versicherung meiner "Ausgezeichneten" vorlieb, und stimmen Sie ein mit mir in den lieblichen Päan: "Es lebe die Faulheit!" Ihr ganz ergebenster

Heinrich v. Ofterdingen.        

 

 

[Fußnote, S. 39]

*) Wir bringen diese Kritik der modernen Dichtkunst, trotzdem wir mit den Gedanken des Verfassers in vielen Punkten nicht einverstanden sind, einerseits weil wir dem Meinungsaustausch möglichst weiten Spielraum gewähren wollen, anderseits weil wir glauben, daß wir dadurch manchen unserer Leser veranlassen werden, seine Ansichten über dieses Thema uns mitzutheilen. Das abfällige Urteil über die Aussichten des modernen Dramas, welches der geehrte Verfasser in Folgendem giebt, wird die Redaktion selbst zu widerlegen versuchen. Wir bedauern lebhaft, daß derselbe es versäumt hat, seinen vollen Namen unter diese scharfe Kritik zu setzen. Wir vermögen den Wert eines Pseudonyms bei eigenen Werken zu begreifen, bei der Kritik fremder Dichtungen ist uns die Anwendung desselben – unbegreiflich.
Die Schriftleitung.   zurück

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Kyffhäuser-Zeitung (Organ der Deutschen Studentenschaft.) Wochenschrift für alle Universitäts-Angehörige deutschen Stammes und deutscher Zunge.
Jg. 3, 1883:
Nr. 4, 22. Oktober, S. 38-40
Nr. 5, 29. Oktober, S. 48-50
Nr. 6, 5. November, S. 57-58. [PDF]

Der Artikel erschien unter dem Pseudonym "Heinrich v. Ofterdingen"; vgl. zu dieser Namenswahl Sprengel: Wartburg 1998, S. 483. In der "Kyffhäuser-Zeitung" (Nr. 5, 29. Oktober 1883, S. 50; Rubrik: "Eingesendet") gab sich Arno Holz als Autor zu erkennen.

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien). Acht Druckfehler wurden korrigiert (S. 39 u. 40); davon fünf nach der Vorgabe des Druckfehlerverzeichnisses (S. 50; Rubrik: "Eingesendet").

Dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (Berlin) danke ich für die Bereitstellung der Druckvorlage und für die Genehmigung der Veröffentlichung.

Der Artikel wurde von Helmut Scheuer entdeckt; vgl. Scheuer 1971, S. 14. Dem Entdecker danke ich für Hinweise und Beratung.

 

Zeitschriften-Repertorium

 

 

 

Werkverzeichnis


Verzeichnisse

Scheuer, Helmut: Arno Holz im literarischen Leben des ausgehenden 19. Jahrhunderts (1883 – 1896).
Eine biographische Studie.
München: Winkler-Verlag 1971.
S. 308-313: Literaturverzeichnis. Werke von Arno Holz.

Wende, Waltraud: Auswahlbibliographie zu Arno Holz.
In: Text und Kritik. Heft 121: Arno Holz.
München: edition text + kritik 1994, S. 117-127.



Holz, Arno: Klinginsherz! Lieder.
Berlin: Arendt 1883.
PURL: http://digital.slub-dresden.de/id312179782/1

Holz, Arno: Ein offener Brief an Herrn Richard Fellner
[Die Dichtkunst der Jetztzeit]
.
In: Kyffhäuser-Zeitung (Organ der Deutschen Studentenschaft).
Wochenschrift für alle Universitäts-Angehörige deutschen Stammes und deutscher Zunge.
Jg. 3, 1883:
Nr. 4, 22. Oktober, S. 38-40
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Nr. 6, 5. November, S. 57-58. [PDF]

Holz, Arno (Hrsg.): Emanuel Geibel. Ein Gedenkbuch.
Berlin u. Leipzig: Parrisius 1884.
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Holz, Arno: Das Buch der Zeit. Lieder eines Modernen.
Zürich: Verlags-Magazin (J. Schabelitz) 1886.
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001A42B00000000
URL: http://www.deutschestextarchiv.de/holz_buch_1886

Holz, Arno: Der diesjährige Pariser "Salon".
In: Der Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft.
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URL: https://archive.org/details/bub_gb_kkM1AAAAMAAJ

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In: Das Magazin für die Litteratur des In- und Auslandes. Wochenschrift der Weltlitteratur.
Jg. 58, 1889:
Nr. 42, 12. Oktober, S. 666-668
Nr. 45, 2. November, S 716-717
Nr. 49, 30. November, S. 780-782.
URL: https://archive.org/details/bub_gb_oX4DAAAAYAAJ

[Holz, Arno:] Charles Baudelaire
(Die Literatur der Gegenwart. In Einzeldarstellungen; XII).
In: Sonntagsblatt der New Yorker Staats-Zeitung.
Jg. 41, 1889, Nr. 44, 3. November, S. 2.
Pseudonym: Fritz Erdmann. Für die Zuschreibung vgl.
Thorsten Fricke: Arno Holz und das Theater. Biografie – Werkgeschichte – Interpretation.
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David Weller: Arno Holz. Anfänge eines Dichterlebens.
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In: Freie Bühne für modernes Leben.
Jg. 1, 1890, Heft 4, 26. Februar, S. 101-104. [PDF]

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Jg. 1, 1890, Heft 6, 12. März, S. 165-168. [PDF]

Holz, Arno: Die "dunkle Materie" im Abgeordnetenhaus.
In: Freie Bühne für modernes Leben.
Jg. 1, 1890, Heft 12, 23. April, S. 344-347. [PDF]

Holz, Arno: Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze.
Berlin: Issleib (Gustav Schuhr) 1891.
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Holz, Arno: Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze. Neue Folge.
Berlin: Issleib (Gustav Schuhr) 1892.
URL: https://archive.org/details/diekunstihrwese00holzgoog

Holz, Arno: Das Buch der Zeit. Lieder eines Modernen.
Zweite, vermehrte Aufl. Berlin: Fontane & Co. 1892.
URL: https://archive.org/details/buchderzeitlie1892holzuoft

Holz, Arno: Ein neuer Lyriker (Otto Julius Bierbaum).
In: Das Magazin für Litteratur.
Jg. 61, 1892, Nr. 23, 4. Juni, S. 375-376. [PDF]

Holz, Arno: Ein neuer Heilsroman. (Mackay's "Anarchisten.").
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Bd. 41, 1892, Nr. 26, 25. Juni, S. 410-411. [PDF]

Holz, Arno: Phantasus.
Erstes Heft.
Berlin: Sassenbach 1898.
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URL: http://www.deutschestextarchiv.de/holz_phantasus01_1898

Holz, Arno: Phantasus.
Zweites Heft.
Berlin: Sassenbach 1899.
URL: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0008/bsb00087385/images/
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Holz, Arno: [Selbstanzeige:] Phantasus. Berlin. Johann Sassenbach.
In: Die Zukunft.
Bd. 23, 1898, 30. April, S. 210-219.
URL: https://archive.org/details/diezukunft34hardgoog

Holz, Arno: Revolution der Lyrik.
Berlin: Sassenbach 1899.
URL: https://archive.org/details/revolutionderl00holz
URL: http://www.literature.at/alo?objid=10928

Holz, Arno: "Meine" neue Lyrik.
In: Die Neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens.
Jg. 17, 1898/99, Nr. 27, [März 1899], S. 16-22.
URL: http://library.fes.de/nz/index.html

Holz, Arno: Die Blechschmiede.
Leipzig: Insel-Verlag 1902.
URL: https://archive.org/details/bub_gb_tqcsAAAAYAAJ

Holz, Arno: [Antwort auf eine Rundfrage zum vers libre].
In: Poesia. Rassegna internazionale.
Jg. 2, 1906, Heft 3-5, April-Juni, [S. 50].
URL: http://bluemountain.princeton.edu/title.html?titleURN=bmtnaai

Holz, Arno: Phantasus.
Leipzig: Insel-Verlag 1916.
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0000EC1F00000000

Holz, Arno: Die neue Wortkunst.
Eine Zusammenfassung ihrer ersten grundlegenden Dokumente.
Berlin: Dietz 1925 (Das Werk von Arno Holz. Bd. 10).
URL: https://archive.org/details/3819410.8-10


Holz, Arno: Briefe. Eine Auswahl.
Hrsg. von Anita Holz und Max Wagner.
Mit einer Einführung von Hans H. Borcherdt.
München: Piper 1948.
PURL: http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN543767140

Holz, Arno: Die Revolution der Lyrik.
Eine Einführung in sein Werk und eine Auswahl von Alfred Döblin.
Wiesbaden: Steiner 1951 (Verschollene und Vergessene).

Holz, Arno: Phantasus.
Hrsg. von Gerhard Schulz.
Stuttgart: Reclam 1984 (Universal-Bibliothek, 8549).

Holz, Arno: Phantasus.
Traduit de l'allemand et présenté par Huguette et René Radrizzani.
Chambéry: Éd. Comp'act 2001 (Collection Morari).
Erste französische Übersetzung des "Phantasus" von 1898/99.

Bahr, Hermann / Holz, Arno: Briefwechsel 1887 - 1923.
Hrsg. von Gerd-Hermann Susen u. Martin Anton Müller.
Göttingen: Wallstein Verlag 2015.

 

 

 

Literatur

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Lyriktheorie » R. Brandmeyer